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Chemikalienrecht - MDI
Hinweise zum Inverkehrbringen von Bau- und Montageschäumen auf der Basis Methylendiphenyldiisocyanat (MDI)
 

Hinweise zum Inverkehrbringen von Bau- und Montageschäumen und Klebern auf der Basis von Methylendiphenyldiisocyanat (MDI)

Auf MDI basierende Bau- und Montageschäume sowie Kleber sind weit verbreitete Produkte in Bau- und Baustoffmärkten. Diese werden sowohl an den privaten Endverbraucher (z.B. Heimwerker) als auch an den berufsmäßigen Verwender (z.B. Handwerksfirmen) abgegeben.

Aufgrund der neuen, ab dem 01.12.2010 gültigen Legaleinstufung für den Grundstoff 4,4-Methylendiphenaldiisocyanat sind der Stoff MDI und MDI-haltige Gemische mit einem Gehalt ab 1% MDI mit "krebserzeugend Kategorie 3; R40" (Verdacht auf krebserzeugende Wirkung) zu kennzeichnen.

Somit dürfen ab dem 01.12.2010 MDI-haltige Produkte nur abgegeben werden, wenn diese entsprechend der aktualisierten Einstufung gefahrstoffrechtlich gekennzeichnet sind (z.B. R-Satz 40: Verdacht auf krebserzeugende Wirkung). Ebenfalls müssen die Sicherheitsdatenblätter der MDI-haltigen Produkte die geänderte Einstufung berücksichtigen.

Daraus ergeben sich für Inverkehrbringer/Hersteller und Vertreiber/Händler Pflichten bezüglich der Sachkunde, der Informationspflicht und dem Selbstbedienungsverbot nach §§ 3 bis 5 der Chemikalienverbotsverordnung (ChemVerbotsV).

Zur Einhaltung des Selbstbedienungsverbotes ist es erforderlich, dass in jeder Betriebsstätte/Verkaufseinrichtung ausreichendes Fachpersonal (geschulte und Sachkunde geprüfte Fachkräfte) über die gesamte Öffnungszeit zur Verfügung steht.
Ist das nicht der Fall, müssen MDI-haltige Produkte aus dem Sortiment genommen werden.

Weiterhin gilt seit dem 27.12.2010 gemäß Anhang XVII Nr. 56 der REACH-VO für MDI-haltige Produkte mit einer Konzentration ab 0,1% MDI Folgendes:
Lieferanten haben die Pflicht vor dem Inverkehrbringen zu gewährleisten, dass die Verpackung Schutzhandschuhe entsprechend Richtlinie 89/686/EWG enthält (Ausnahme: gilt nicht für Heißklebestoffe).
Ebenso sind Produkte mit einer Konzentration von mehr als 0,1% MDI mit folgenden Aufschriften gut sichtbar, leserlich und unverwischbar zu kennzeichnen:
- Bei Personen, die bereits für Diisocyanate sensibilisiert sind, kann der Umgang mit diesem Produkt allergische Reaktionen auslösen.
- Bei Asthma, ekzematösen Hauterkrankungen oder Hautproblemen Kontakt, einschließlich Hautkontakt, mit dem Produkt vermeiden.
- Das Produkt nicht bei ungenügender Lüftung verwenden oder Schutzmaske mit entsprechendem Gasfilter (Typ A1 nach EN 14387) tragen.

Beispiel für die gefahrstoffrechtliche Kennzeichnung eines Bauschaumes mit MDI > 1 Ma%,

© Landkreis Saale-Orla-Kreis


Hinweis:

Verstöße gegen die Abgabe- und Kennzeichnungsvorschriften stellen nach dem Chemikalienrecht Ordnungswidrigkeiten dar, die von den zuständigen Behörden zu ahnden sind.


Näheres zur Sachkunde:

Die für die Abnahme der Sachkundeprüfung nach § 5 ChemVerbotsV zuständige Behörde in Thüringen ist das Thüringer Landesverwaltungsamt, Referat Immissions- und Strahlenschutz, Weimarplatz 4 in 99423 Weimar.

Bei der für MDI-haltige Produkte erforderlichen Sachkundeprüfung handelt es sich um eine eingeschränkte, Einzelstoff bezogene Sachkundeprüfung, bestehend aus einer Grundprüfung (20 Fragen zu den gesetzlichen Grundlagen, Verordnungen etc. des Chemikalienrechts) sowie einer Zusatzprüfung (10 Fragen zum Stoff und zum Sicherheitsdatenblatt). Die Kosten für die Prüfung sind personenbezogen und betragen 50,00 Euro.

Für die Zulassung zur Prüfung sind keine staatlich anerkannten Lehrgänge/Fortbildungen notwendig.
Eine Schulung in Vorbereitung auf diese Prüfung wird vom Thüringer Landesverwaltungsamt jedoch empfohlen.
Dies kann auf der Basis des "Gemeinsamen Fragenkataloges des Bundes und der Länder" (www.blac.de) und unter Hinzuziehung von aktualisierten Sicherheitsdatenblättern von MDI und MDI-haltigen Produkten erfolgen.
Außerdem bietet u.a. die Bildungseinrichtung "kreActiv GmbH", Konrad-Zuse-Straße 3 in 07745 Jena (Kontakt Frau Dr. Carl, Tel.: 03641 / 609911) Lehrgänge zur Vorbereitung der Sachkundeprüfung an.


Näheres zur Abgabe an Dritte:

Bei der Abgabe an den privaten Endverbraucher sind durch den Verkäufer folgende Voraussetzungen zu erfüllen:

- In jeder Verkaufsstätte muss eine Person mit der Sachkunde nach § 5 ChemVerbotsV vorhanden sein. Diese Person muss mindestens 18 Jahre alt und zuverlässig sein und darf die Abgabe nur unter Erfüllung der Informationspflichten nach § 3 ChemVerbotsV vornehmen.
- Die Abgabe derartiger Stoffe und Gemische im Einzelhandel darf nicht durch Automaten oder andere Formen der Selbstbedienung erfolgen (Selbstbedienungsverbot gemäß § 4 ChemVerbotsV).
- Die Abgabe darf nicht an Erwerber erfolgen, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Für die Abgabe MDI-haltiger Bau- und Montageschäume an Wiederverkäufer, berufsmäßige Verwender und öffentliche Lehr- und Forschungsanstalten ist Folgendes zu beachten:
- Die Abgabe kann durch Personen erfolgen, die zuverlässig sind, mindestens das 18. Lebensjahr vollendet haben und wenigstens einmal jährlich von der in der Betriebsstätte beschäftigen sachkundigen Person zu den zu beachtenden Vorschriften belehrt wurden. Diese Belehrung ist schriftlich zu bestätigen.
- Bei der Abgabe an Wiederverkäufer muss der Abgebende sich vergewissern, dass der Wiederverkäufer die Voraussetzungen für die Abgabe an private Endverbraucher ebenfalls erfüllt.

 

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