Als Sehbehinderte dankbar, wenn Hilfe angeboten wird

12. Oktober 2021 - Aktionstag zur Woche des Sehens innerhalb der Ausstellung „All inklusive – Vielfalt gemeinsam leben. Leben, Lernen, Wohnen und Arbeiten für Menschen mit besonderen Bedarfen im Saale-Orla-Kreis“

2021_10_12 Volkmar Dietrich und Ines Balke am Infostand zur Woche des Sehens im Landratsamt2021_10_12 Volkmar Dietrich und Ines Balke am Infostand zur Woche des Sehens im Landratsamt

Schleiz. „Wenn jemand fragt, ob er helfen kann, zum Beispiel beim Überqueren einer Straße, sind wir sehr dankbar“, sagt Ines Balke, deren Sehvermögen stark eingeschränkt ist. Gemeinsam mit Volkmar Dietrich vom Blinden- und Sehbehindertenverband Thüringen e.V., ebenfalls selbst sehbehindert, beteiligte sich die Aumaerin am heutigen Aktionstag zur Woche des Sehens im Foyer des Landratsamtes des Saale-Orla-Kreises in Schleiz.

Unter dem Titel „All inklusive – Vielfalt gemeinsam leben. Leben, Lernen, Wohnen und Arbeiten für Menschen mit besonderen Bedarfen im Saale-Orla-Kreis“ präsentieren aktuell mehrere Einrichtungen ihre umfangreichen Angebote der Behindertenhilfe im Saale-Orla-Kreis innerhalb einer Ausstellung, die noch bis Ende Oktober zu sehen ist.

Die Woche des Sehens nahm der Blinden- und Sehbehindertenverband zum Anlass, an einem sehr gut besuchten Sprechtag in der Kreisbehörde auf die Angebote des Verbandes für Betroffene und Angehörige aufmerksam zu machen. „Wir würden uns freuen, wenn noch mehr Sehbehinderte und Blinde aus der Region mit uns in Kontakt kommen“, erklärt Volkmar Dietrich. „Wir treffen uns regelmäßig, können viel voneinander lernen, uns gegenseitig Mut machen, zusammen Spaß haben und Ausflüge unternehmen“, so Dietrich. Aktuell sind es 50 Betroffene aus dem Saale-Orla-Kreis, die sich treffen; teilweise sind enge Freundschaften entstanden. „Es weiß auch immer jemand neue Dinge, die uns den Alltag erleichtern, eine sprechende Waage zum Beispiel oder neue Funktionen auf dem Handy“, ergänzt Ines Balke. „Und oft staunen wir, wenn wir von den anderen hören, was sie trotz der Sehbehinderung können, sich zutrauen und erleben“, so Balke. Auch der Austausch über Erfahrungen mit den ganz normalen Hindernissen des Alltags, die Sehbehinderte oft nicht oder gefährlich spät erkennen können, sei für alle Beteiligten hilfreich. Seien es Hinweis- oder Verkehrsschilder, die manchmal erst bemerkt werden, wenn man tatsächlich mit Kopf oder Fuß dagegen stößt, Elektroautos, die sich unfassbar leise annähern, Treppenstufen, die nicht gekennzeichnet sind, Treppengeländer, die kürzer sind als die Treppe und dadurch Stürze provozieren oder defekte Signaltöne an Ampeln, die ein sicheres Überqueren von Straßen für die Sehbehinderten erschweren. „Dann sind wir wirklich dankbar, wenn jemand fragt, ob er uns helfen kann“, wiederholt Ines Balke. „Fragen ist wichtig“, so Balke. „Bitte nicht gleich am Arm packen uns über die Straße ziehen!“, ergänzt sie.

Aktionstage wie diesen im Schleizer Landratsamt nutzt der Blinden- und Sehbehindertenverband ganz bewusst, um die Mitmenschen zu sensibilisieren und gleichzeitig Hemmschwellen abzubauen. „Bitte sprechen Sie uns einfach an!“, ermuntert Volkmar Dietrich. Der Verband berät Blinde, Sehbehinderte und Angehörige unter anderem zu Fragen der beruflichen und persönlichen Rehabilitation, zu Anschaffung und Gebrauch von optischen und elektrischen Sehhilfen, sprechenden Uhren und Hilfsmitteln für den Alltag oder auch zu gesetzlichen Leistungen wie Blindengeld, Blindenhilfe, Schwerbehindertenausweis oder Förderungen für Kinder.

In Schleiz ist der Verband unter Telefon (03663) 400532 oder mobil unter 0173 3883424 bzw. per Mail unter vo.dietrich@web.de zu erreichen.
Treffen gibt es in Schleiz jeden ersten und dritten Dienstag im Monat von 9 bis 11.30 Uhr im Landratsamt (Raum WH 201 im Wisentahaus), Oschitzer Straße 4; in Pößneck jeden dritten Dienstag im Monat 13 bis 15 Uhr im Klub der Volkssolidarität in der Dr.-Wilhelm-Külz-Straße 5.

Umfangreiche Informationsmaterialien liegen im Rahmen der Ausstellung auf einem Infotisch im Foyer des Landratsamtes bereit.

Brit Wollschläger
Pressesprecherin