ICEzeit – ein Jugendbuch

„ICEzeit – In den Klauen des weißen Drachen Crystal“

. . .  mit diesem Jugendbuch gelang Autorin Verena Zeltner ein sowohl spannendes als auch aufklärendes Werk über die furchtbare Droge Crystal.

Seit der ersten Fachtagung des Netzwerkes Courage gegen Drogen im Saale-Orla-Kreis im Jahr 2014 war Verena Zeltner dabei, um für das Buch zu recherchieren. Das Ergebnis ihrer tiefgründigen Recherchen und ihrer schriftstellerischen Arbeit ist beeindruckend und unbedingt empfehlenswert.

„ICEzeit erzählt aus der Sicht des vierzehnjährigen Ben, wie sich das Leben einer glücklichen Familie allmählich verändert: Er versteht nicht, weshalb sich seine Mutter oft so merkwürdig benimmt. Weil sein Vater auswärts arbeitet und nur am Wochenende zu Hause ist, muss Ben mehr und mehr Verantwortung für seine kleine Schwester übernehmen. Erst als er eines Tages zufällig die weißen Kristalle entdeckt, wird ihm klar, was mit seiner Mutter los ist. Sie erklärt sich zwar zu einem Entzug bereit, doch kurz darauf beginnt sie erneut, Crystal meth zu konsumieren. Ihre Drogenkarriere nimmt eine immer rasantere Fahrt auf. Sie verliert ihren Job, vernachlässigt ihre Kinder – Ben ist verzweifelt. Mit allen Mitteln versucht er, seine kleine Schwester zu beschützen, ihr ein normales Leben vorzugaukeln. Und da ist auch noch die ständige Angst, jemand könnte mitbekommen, wie der Alltag der Familie tatsächlich aussieht …", heißt es in der Beschreibung auf der Webseite der Autorin.

„Ich bin so tief beeindruckt“, sagte Katharina Schwalbe von der Suchtberatungsstelle des Diakonievereins Orlatal. „Wir kennen solche Kinderschicksale aus unserer Arbeit. Wir wissen von Kindern, die in ihrer Hilflosigkeit dann irgendwie funktionieren, sich wie Erwachsene verhalten“, erklärte die erfahrene Therapeutin bei der Vorstellung des Jugendbuches bei einer Netzwerktagung von „Courage gegen Drogen“.

Einem Drogenbericht der Bundesregierung zufolge leben in Deutschland derzeit mehr als 3 Millionen Kinder in Familien mit mindestens einem suchtkranken Elternteil. Dabei sei Crystal meth – nach Meinung von Experten die gefährlichste Droge der Welt – weiter auf dem Vormarsch.

Auch deshalb hat dieses Buch von Verena Zeltner seit seinem Erscheinen 2017 nichts an Aktualität verloren. Die Neustädter Autorin hat sich zudem – spätestens mit „ICEzeit – In den Klauen des weißen Drachen Crystal“ thüringenweit einen Namen gemacht. Sie stellte das Buch bei Lesungen in zahlreichen Städten und Kreisen vor. In ganzen Klassensätzen wurde es für Schülerinnen und Schüler geordert.


"Wenn Mama wieder auf Droge ist" - Interview mit der Autorin Verena Zeltner

Frau Zeltner, wie oft haben Sie „ICEzeit“ in diesen mehr als drei Jahren bei Lesungen vor Schülern und Erwachsenen vorgestellt und wie verliefen diese Lesungen?

Wie oft, das habe ich gar nicht gezählt, es war sehr oft, ganz besonders häufig war ich mit diesem Buch an Schulen im Erfurter Raum. Das Besondere war, dass es immer viele Fragen und rege Diskussionen gab. Ich bin mit den Mädchen und Jungen, aber auch mit den Erwachsenen ins Gespräch über meinen Buchhelden Ben, seine Mutter und die kleine Schwester Kessy gekommen. Das hat mich sehr gefreut.

Gab es auch Fragen auf Facebook, Mails oder Briefe?

Briefe nicht, aber erstaunlich viele Mails und Fragen auf Facebook. Ich war echt überrascht. Teilweise wurde ich sogar um Rat gefragt, wenn in einer Familie Angehörige mit Drogen zu tun hatten. Dann habe ich aber konsequent an die Suchtberatungsstellen verwiesen, um denjenigen einen Weg aufzuzeigen, wo Betroffenen und ihren Angehörigen geholfen werden kann.

Welche Stellen im Buch haben die Gäste der Lesungen besonders berührt?

Ich will nicht zu viel verraten, einige kennen das Buch ja vielleicht noch nicht. Aber es gab zum Beispiel diesen Morgen, als Ben, ein 14-jähriger Schüler, seine Mutter, die noch im Bett lag, nicht wach bekommt, sie anschreit, wirklich große Angst um sie hat und dann schon wieder seine kleine Schwester alleine vor der Schule zur Kita bringen muss. Oder diesen Abend, als er, der gerade noch so glücklich war, ein großes Konzert besuchen zu dürfen, sehr spät nach Hause kam – aber seine Mutter war gar nicht da, seine kleine Schwester war auch verschwunden – die Kleine lief im Nachthemd durch die Stadt und suchte die Mama. Da sind die Schüler oft schockiert. Und über die Sache mit dem Handy. . .

Dem Handy von Ben, das plötzlich verschwunden ist?

Genau. Das neue, teure Handy. Am Abend war es noch da, früh war es weg. Und nur auf diesem Handy war die Nummer von Jette gespeichert, in die Ben so verknallt war. – Das ist für viele Teenager ein Alptraum. Wo ist das Handy? Hat es etwa die Mutter verkauft, um von dem Geld Drogen zu kaufen? Ben ist total verzweifelt und wütend – und besonders die jugendlichen Leserinnen und Leser auch.

Wie kam es, dass eine Veranstaltung in einer Grundschule im Orlatal den Anstoß für dieses Buch gab?

Diesen Vormittag werde ich nie vergessen. Ich war zu einer Veranstaltung in einer Grundschule. Kurz vor Beginn erzählte mir die Schulleiterin, dass gerade eine Schülerin bei ihr war und gesagt hatte „Meine Mama ist schon wieder auf Drogen“. Ich war so erschüttert, dass so ein kleines Mädchen, vielleicht acht, neun Jahre alt, schon mehrfach mitbekommen hat, wie verändert ihre Mutter ist, wenn sie Drogen genommen hat. Das ließ mich nicht mehr los. Ab diesem Tag habe ich mich intensiv mit dem traurigen Thema Sucht in Familien beschäftigt.

Was beschäftigt Sie jetzt gerade? Wie macht sich die Situation der Corona-Pandemie für Sie als Schriftstellerin bemerkbar? Was vermissen Sie am meisten?

Ich vermisse den Kontakt zu den Lesern, die Lesungen, aber auch den Kontakt zu den Schriftstellerkollegen sehr. Neulich haben wir wieder eine Vorstandssitzung des Thüringer Schriftstellerverbandes, dessen Mitglied ich bin, online gemacht. Das ging überraschend gut. Uns allen fehlen auch die Buchmessen, und das bringt auch geringere Buchverkäufe mit sich.
Im Homeoffice und allein zu arbeiten, ist dagegen für Schriftsteller nichts Ungewöhnliches. Ich schreibe zum Beispiel gerade an einem neuen Jugendbuch. Es hat schon 226 Seiten. . .

Warum geht es?

Um einen bemerkenswerten Jungen . . . Aber mehr möchte ich heute noch nicht verraten. Dafür möchte ich auf ein anderes schönes Projekt hinweisen, ein Hörspielprojekt, das gerade veröffentlicht wurde: Es heißt Wisentaland und man lernt hier Sagen aus dem alten Thüringen kennen. Mein Beitrag heißt „Saale-Zauber“ und ich bin total begeistert, wie gut es gelungen ist, meine zauberhafte Geschichte zu lesen und mit den passenden Geräuschen, wie etwa starkem Regen, dem Plätschern der Saale oder dem Vogelgezwitscher zu hinterlegen. Ich danke dem Verein Lesezeichen e.V., dass ich dabei sein durfte.

Wir danken Ihnen, liebe Verena Zeltner, für das Gespräch und wünschen Ihnen alles Gute! Bleiben Sie gesund!

Brit Wollschläger von der Pressestelle des Landratsamtes im Saale-Orla-Kreis sprach im März 2021 mit der Autorin.


Große Anerkennung gab es auch von Autorenkollegen - wie Dietmar Ebert, der in der Reihe »Gelesen & Wiedergelesen des Thüringer Literaturrates e.V. schrieb:

„Sie hat ein großartiges Jugendbuch geschrieben, das man – gleich, welcher Altersstufe man angehört – nicht mehr aus der Hand legen kann. Das hat mehrere Gründe. Immer, wenn Verena Zeltner ein »heißes Eisen« anfasst, informiert sie sich gründlich. Lange recherchiert sie, macht sich sachkundig, fragt bei Betroffenen und Experten nach. Hinzu kommt eine schriftstellerische Tugend. Sie mag ihre Figuren und zeichnet sie genau und liebevoll, auch diejenigen, die durch ihr Verhalten andere in Not und Bedrängnis bringen, wie die Mutter Benjamins, die immer stärker von der Droge Crystal abhängig wird. Die Geschichte von Benjamin, seiner Mutter, seinem Vater, seiner kleinen Schwester Kessy und seinem Freund Tim, ist geschickt in eine Rahmenhandlung eingewoben. Darin trifft Benjamin auf das Mädchen Jette, das er heimlich liebt und der er auch nicht gleichgültig ist. Getroffen haben sie sich zum ersten Mal beim Tierarzt, zu dem Ben und Kessy mit ihrem Kater Napoleon mussten und den Jette mit ihrem Kater Mr. Miez-Men aufgesucht hat. Nun treffen sich die beiden in der Straßenbahn und Ben hofft auf ihr Verständnis und erzählt Jette alles, was ihm Kopf und Herz in den letzten Wochen beschwert hat.“


„ICEzeit – In den Klauen des weißen Drachen Crystal“ ist im Thami Verlag mittlerweile in dritter Auflage erschienen. Es hat 285 Seiten und kostet 14,90 Euro.

Mann kann es bestellen mit der Nummer: ISBN: 978-3-933988-15-7; auch direkt auf der Homepage der Autorin www.verena-zeltner.de